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Geringfügige Beschäftigung: Das ist steuerrechtlich und betriebswirtschaftlich relevant

Unser heutiger Blogbeitrag thematisiert geringfügige Beschäftigungen aus betriebswirtschaftlicher und steuerrechtlicher Perspektive.

Geringfügige Beschäftigung unterteilt man in:

  • geringfügig entlohnte Beschäftigung und
  • Beschäftigung, die wegen ihrer kurzen Dauer geringfügig ist; sie wird als kurzfristige Beschäftigung bezeichnet, deren Besonderheiten wir in einem unserer nächsten Blogbeiträge beschreiben werden.

Von einer geringfügig entlohnten Beschäftigung spricht man, wenn das Arbeitsentgelt regelmäßig im Monat 450 € nicht überschreitet. Die wöchentliche Arbeitszeit spielt dabei grundsätzlich keine Rolle.

Was ist nun das Arbeitsentgelt?

Arbeitsentgelt sind alle laufenden und einmaligen Einnahmen aus einer Beschäftigung, gleichgültig, ob ein Rechtsanspruch auf die Einnahmen besteht, unter welcher Bezeichnung oder in welcher Form sie geleistet werden und ob sie unmittelbar aus der Beschäftigung oder im Zusammenhang mit ihr erzielt werden (§ 14 Abs. 1 Satz 1 SGB IV).

Was versteht man unter regelmäßig?

Zunächst ist der Rechtsanspruch des geringfügig Beschäftigten maßgebend. Es sind also die Ansprüche nach z. B. dem Mindestlohn-Gesetz, einem Tarifvertrag oder einer Betriebsvereinbarung zu prüfen.

Es kommt nicht darauf an, welchen Betrag der Beschäftigte tatsächlich erhält.
Für die Frage der Regelmäßigkeit ist maßgebend ob der/die Beschäftigte in den nächsten 12 Monaten im Durchschnitt nicht mehr als 450 € im Monat verdient. Das heißt, dass der/die Beschäftigte maximal 5.400 € pro Jahr bei einer durchgehenden Beschäftigung von 12 Monaten verdienen darf. Aus abrechnungstechnischen Gründen wird man diese Vorausschau, mit Ausnahme des Jahres des Beginns der geringfügigen Beschäftigung immer zum Jahresanfang durchführen.

Was passiert mit einmaligen Einnahmen?

Unter einmaligen Einnahmen versteht man Vergütungen mit deren Gewährung mit hinreichender Sicherheit (z. B. aufgrund eines für allgemein verbindlich erklärten Tarifvertrags oder aufgrund Gewohnheitsrechts) mindestens einmal rechnen kann. Dies betrifft vor allen Dingen Urlaubs- und Weihnachtsgeld-Zahlungen.
Diese einmaligen Einnahmen gehören dann zum regelmäßigen Arbeitsentgelt.

Wichtig:
Bei den einmaligen Zuwendungen kommt es nicht auf den Anspruch, sondern auf den Zufluss an (§ 22 Abs. 1 SGB IV)! Auf einen tarifvertraglichen Anspruch einer Einmalzahlung kann verzichtet werden. Allerdings kann der Verzicht nur für die Zukunft erfolgen.

Was passiert, wenn die 450 € Grenze in einem oder mehreren Monaten überschritten wird?

Ein nur gelegentliches und nicht vorhersehbares Überschreiten der Geringfügigkeitsgrenzen führt nicht zur Versicherungspflicht.

Gelegentlich in diesem Zusammenhang gelten bis zu drei Monate innerhalb eines Jahres.
Darüber hinaus muss es sich um eine nicht vorhersehbare Überschreitung handeln. Dies wäre bei einer Krankheitsvertretung gegeben.

Hingegen würden regelmäßig Urlaubsvertretungen oder zu bestimmten, alljährlich wiederkehrenden Spitzenzeiten (z. B. Weihnachtsgeschäft, Inventur) anfallende Überschreitungen mit größter Wahrscheinlichkeit nicht als unvorhersehbar akzeptiert werden.

Welche Abgaben fallen für den Arbeitgeber für ein geringfügiges Beschäftigungsverhältnis an?

Grundsätzlich fallen folgenden Abgaben an:

Bei einem geringfügigen Beschäftigungsverhältnis in einem Privathaushalt insgesamt 12%. Davon pauschaler Beitrag zur Rentenversicherung 5%, pauschaler Beitrag zur Krankenversicherung 5% und Pauschalsteuer 2%.

Bei einem geringfügigen Beschäftigungsverhältnis außerhalb eines Privathaushalts insgesamt 30%. Davon pauschaler Beitrag zur Rentenversicherung 15%, pauschaler Beitrag zur Krankenversicherung 13%, Pauschalsteuer 2%.

Kann man mehreren geringfügigen Beschäftigungsverhältnissen nebeneinander nachgehen?

Ja, das ist grundsätzlich möglich, solange die Summe der Arbeitsentgelte aller geringfügigen Beschäftigungsverhältnisse nicht mehr als 450 € im Monat beträgt und keine Hauptbeschäftigung ausgeübt wird. Besteht eine Hauptbeschäftigung wird der 2. Minijob zur Hauptbeschäftigung hinzugerechnet und ist somit steuer- und sozialversicherungspflichtig.

Bestehen als Arbeitgeber Aufzeichnungspflichten bei einem geringfügigen Beschäftigungsverhältnis?

Ja, es bestehen solche Aufzeichnungspflichten.
Insbesondere folgende Angaben und Unterlagen sind zu dokumentieren:

  • das monatliche Arbeitsentgelt
  • die Beschäftigungsdauer
  • die regelmäßige wöchentliche Arbeitszeit und die tatsächlich geleisteten Arbeitsstunden
  • Beginn, Ende und Dauer der täglichen Arbeitszeit
  • das Vorliegen weiterer Beschäftigungen (z. B. Erklärungen des/der Beschäftigten)
  • die Bestätigung der Minijob-Zentrale oder des Rentenversicherungsträgers über das Vorliegen von Sozialversicherungspflicht
  • die Bestätigung, dass vom/von der Beschäftigten die Aufnahme weiterer Beschäftigungen anzuzeigen ist
  • ein Nachweis aus dem hervorgeht, dass der/die Beschäftigte auf die Möglichkeit des Verzichts auf die Rentenversicherungspflicht hingewiesen wurde
  • die schriftliche Erklärung des/der Beschäftigten über den Verzicht auf die Rentenversicherungsfreiheit
  • Bescheide der zuständigen Einzugsstelle über die Feststellung des Bestehens oder Nichtbestehens von Versicherungspflicht
  • die Erklärung des/der Beschäftigten über die Befreiung von der Versicherungspflicht

Selbstverständlich können wir nicht alle Fragen und auch nicht alle Details zum Thema geringfügiges Beschäftigungsverhältnis in diesem Blogbeitrag beantworten.
Wir stehen aber gerne zu einer konkreten Beratung zu diesem oder anderen Themenbereichen rund um das Steuerrecht zur Verfügung. Kontaktieren Sie uns.