§ 37 b EStG - Geschenke Steuern Betriebsausgabe

§ 37 b EStG: Geschenke richtig versteuern!

So erhalten Geschenke – auch unter steuerlicher Betrachtung (§ 37 b EStG) – die Freundschaft!

In unserem heutigen Blogbeitrag beschäftigen wir uns mit dem Thema Geschenke, genauer gesagt mit deren Abzugsfähigkeit als Betriebsausgaben (das Thema Geschenke unter Privatpersonen /Schenkungssteuerpflicht wird in einem späteren Beitrag abgehandelt) und der eventuellen Pauschalierungsmöglichkeit gem. § 37 b EStG basierend auf dem BMF-Schreiben vom 19.05.2015.

Wir werden jeweils einen Hinweis zur korrekten Verbuchung, basierend auf dem Datev SKR 04 Kontenrahmen, mit an die Hand geben.

Was also versteht man nun unter einem Geschenk?

Unter einem Geschenk versteht man die Zuwendung einer Sache oder Dienstleistung durch einen anderen. Ein Geschenk darf nicht als Gegenleistung für etwas anderes gedacht sein und nicht in zeitlichem oder wirtschaftlichen Zusammenhang mit einer anderen Leistung stehen. Nicht als Geschenk gelten z. B. Preise anlässlich eines Preisausschreibens, Gewinne aus Verlosungen und Prämien aus Programmen zur Neukundenwerbung.

Wann ist ein Geschenk betrieblich veranlasst?

Ein Geschenk ist betrieblich veranlasst, wenn dadurch Geschäftsbeziehungen verbessert, gesichert oder angebahnt werden sollen.

Wer kommt im Geschäftsleben als Geschenkempfänger in Betracht?

Hier kennen wir zwei Gruppen von Geschenkempfängern:

  1. (potenzielle) Kunden und Geschäftsfreunde (z. B. Lieferanten, Vertreter und sonstige, für unternehmerische Belange, wichtige Partner).
  2. Arbeitnehmer (diesem Kapitel widmen wir uns im nächsten Blogbeitrag!)

Muss ein Geschenk als Werbeträger gekennzeichnet sein?

Nein, ein Geschenk muss nicht als Werbeträger gekennzeichnet sein.

Unterliegen die Geschenke der Aufzeichnungspflicht?

Ja, Geschenke müssen einzeln, zeitnah und getrennt von den anderen Betriebsausgaben aufgezeichnet werden (hier ist mit der Verbuchung auf einem speziellen Konto der gesetzlichen Anforderung Genüge getan!). Sofern es sich nicht um sogenannte „Streuartikel“ handelt, muss aus der Buchung bzw. dem Buchungsbeleg auch der Name des Empfängers ersichtlich sein, um jederzeit nachvollziehen zu können, dass die jährliche „Freigrenze“ pro Empfänger nicht überschritten wird.

Bei Geschenken gleicher Art (z. B. 10 Kisten Rotwein je Flasche € 15,00 netto Anschaffungskosten) genügt eine Liste mit Namen der Beschenkten und Anzahl der erhaltenen Flaschen.

Was versteht man unter einem Streuartikel?

Streuartikel sind keine Geschenke sondern Werbeartikel, die viele Menschen erreichen sollen, um den Bekanntheitsgrad des Unternehmens zu forcieren. Der Anschaffungswert muss unter € 10,00 pro Artikel liegen (ein typischer Streuartikel ist der Kugelschreiber mit Firmenlogo). Bei Unternehmen, die nicht zum Vorsteuerabzug berechtigt sind, ist der Wert ein Bruttowert, ansonsten sind € 10,00 netto gemeint!

Der Wert bezieht sich immer auf die Sachgesamtheit (z. B. Kugelschreiber + Etui).

Hier erfolgt grundsätzlich keine Versteuerung gem. § 37 b EStG!

Wichtig ist aber nach wie vor die korrekte Verbuchung auf dem Konto Streuartikel #6605, da ansonsten der Betriebsausgabenabzug versagt werden kann, weil die Aufzeichnungspflicht nicht erfüllt ist.

Bis zu welchem Betrag ist ein Geschenk als Betriebsausgabe abzugsfähig?

Hier gilt die Freigrenze von € 35,00 wobei der Betrag eine Nettogrenze für vorsteuerabzugsberechtigte Unternehmen darstellt – für nicht zum Vorsteuerabzug berechtigte Unternehmen ist dies der Bruttobetrag.

Was zählt alles zur € 35,00 Grenze dazu?

Zu der € 35,00 Grenze zählen die Anschaffungskosten zuzüglich etwaiger Kosten für die Kennzeichnung als Werbeträger (jeweils brutto für nicht zum Vorsteuerabzug berechtigte Unternehmen).

Nicht dazuzurechnen sind die Kosten für Verpackung und Versand und die eventuell übernommene Pauschalsteuer gem. § 37 b EStG. Zu beachten ist aber, dass der Wert von € 35,00 eine Freigrenze darstellt. Der Betriebsausgabenabzug ist bei Überschreiten vollständig verwehrt.

Die € 35,00 Grenze gilt nicht für Gegenstände, die der Beschenkte ausschließlich beruflich nutzen kann (z. B. der Arztkoffer für einen Arzt).

Bei „gebrauchten“ Geschenken wird der Verkehrswert (ein angemessener Schätzwert) angesetzt.

Was bitte ist die Pauschalsteuer gem. § 37 b EStG?

Unabhängig von der Abzugsfähigkeit als Betriebsausgabe beim Schenkenden stellt sich noch die Frage der ertragssteuerlichen Behandlung beim Beschenkten.

Ist der Beschenkte ein Unternehmer, sind die Geschenke betrieblich veranlasst und führen beim Empfänger dem Grunde nach zu steuerpflichtigen Einnahmen, haben wir bei zwei Möglichkeiten, diese Einnahmen einkommensteuerlich zu verarbeiten:

  1. Das Geschenk wird beim Empfänger als Betriebseinnahme versteuert – hier erhalten Geschenke nur noch bedingt die Freundschaft!
    – oder –
  2. Der schenkende Unternehmer trägt die Pauschalsteuer gem. § 37 b EStG, d. h. er führt 30 % pauschale Steuer zzgl. Kirchensteuer (je nach Bundesland) und 5,5 % -igem Solidaritätszuschlags daraus, im Rahmen der Lohnsteueranmeldung, an das Finanzamt ab – dies jedoch lediglich bis zu € 10.000,00 pro Jahr und Empfänger (darüber hinaus muss der Empfänger im Rahmen seiner Einkünfte versteuern!) und für alle Geschenke pro Jahr einheitlich.

Bewirtungskosten fallen nicht unter die Regelung des § 37 b EStG!

Geschenke bis € 60,00 aus besonderem persönlichem Anlass (z. B. „ runder Geburtstag“) sind ebenso nicht zu pauschalieren bzw. beim Empfänger zu versteuern.

Ist der Beschenkte eine Privatperson entfällt eine Besteuerung – es wird hier also keine weitere „neue“ Einkunftsart geschaffen!

Wie weiß ich, ob der Schenkende das Geschenk bereits versteuert hat?

Der Schenkende ist zur Unterrichtung der Versteuerung des Geschenks verpflichtet – ansonsten muss er dem Beschenkten den Preis des Geschenkes mitteilen, so dass dieser den Wert selbst versteuern kann.

Wie verbuche ich nun richtig?

Egal wie hoch die Anschaffungskosten sind – niemals das Geschenk unter den allgemeinen Werbekosten verbuchen, da hiermit der Aufzeichnungspflicht nicht Genüge getan ist!

Ist das Geschenk mit max. € 35,00 zu verbuchen, buchen wir auf das Konto abzugsfähige Geschenke ohne § 37 b EStG # 6610, wenn wir die Pauschalsteuer gem. § 37 b EStG für den Beschenkten nicht übernehmen wollen oder müssen (falls der Beschenkte eine Privatperson ist).

Übernehmen wir diese Pauschalsteuer zusätzlich, wird auf das Konto abzugsfähige Geschenke mit § 37 b EStG #6611 gebucht.

Liegt der Anschaffungswert über der € 35,00 Freigrenze buchen wir entweder auf das Konto nicht abzugsfähige Geschenke ohne § 37 b EStG #6620, wenn wir die Pauschalsteuer gem. § 37 b EStG für den Beschenkten nicht übernehmen wollen oder müssen (falls der Beschenkte eine Privatperson ist).

Übernehmen wir die Pauschalsteuer, wird auf das Konto nicht abzugsfähige Geschenke mit § 37 b EStG #6621 gebucht (somit werden diese Beträge als Gewinnkorrektur sowohl ertragsteuerlich als auch bei der Berechnung der Gewerbesteuer wieder hinzugerechnet).

Liegt der Wert des Geschenkes über € 35,00, kann beim Beschenkten aber ausschließlich betrieblich genutzt werden, wird auf das Konto # 6625 gebucht.

Für alle vorsteuerabzugsberechtigten Unternehmen ist natürlich immer nur der Nettobetrag auf die vorgenannten Konten zu verbuchen!

Gerne beraten wir Sie hierzu ausführlich oder beantworten Ihnen Ihre Frage – dazu einfach das Kontaktformular ausfüllen.